Feuerwerk der Turnkunst Hintergrundstory: Breakdance

Breakdance? Das gab‘ s doch in den 1980ern. Stimmt, das heißt aber nicht, dass Breakdance heutzutage keine Rolle mehr im Showbusiness spielt. Im Gegenteil, wie DDC, die „Dancefloor Destruction Crew“, nicht nur bei der kommenden IMAGINE 2016 Tournee des Feuerwerk der Turnkunst zeigen. Breakdance ist absolut hip und befindet sich unvorstellbarerweise sogar auf Augenhöhe mit Stars, wie Helene Fischer und Florian Silbereisen. Wie Breakdance, Volksmusik und Europas erfolgreichste Turnshow zusammenpassen? Marcel Geissler, geschäftsführender Gesellschafter, Manager und künstlerischer Leiter der Breakdancer DDC, hat es uns verraten.

Ihr sagt über Euch selbst, dass Ihr in Euren Shows scheinbare Gegensätze zusammenführt. Was genau muss man sich darunter vorstellen?
Wir stellen Breakdance anders dar als man es aus den Anfängen heraus kennt. Früher standen die Tänzer im Halbkreis, und immer einer ging in die Mitte, um seine Moves zu zeigen. Wir haben uns schon früh von klassischen Chorografien verabschiedet und so genannte Partnermoves zu unserem Merkmal gemacht. Außerdem verbinden wir mit dem „Crossover“ Breakdance mit anderen Genres. In unseren aktuellen Shows und auch beim „Feuerwerk“ verknüpfen wir zum Beispiel Breakdance mit Swing oder auch mit Classic.

Dabei habt Ihr schon zu Mozart und zu Operngesang getanzt. Aber auch Volksmusik zählt inzwischen zu den Genres, die Ihr in Eure Shows integriert. Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen?
Als wir uns vor ein paar Jahren internationaler orientieren wollten, waren wir in Österreich bei einem Festival, wo der Produzent von Florian Silbereisen auf uns aufmerksam geworden ist. Der fand uns so gut, dass er uns unbedingt in Florians Show haben wollte. So kam es zu „Breakdance in Lederhosen“ und die Leute – auch die älteren Zuschauer – haben gejubelt. Dazu muss man sagen, dass sich Florians Show in einem Wandel befindet. Sie wird mehr auf die Jüngeren ausgerichtet, so wird auch das Publikum jünger. In diesen Wandel passen wir perfekt rein.

Apropos hineinpassen: Warum passt Ihr so gut zu IMAGINE?
Wir vollziehen mit unseren Darbietungen einen Spagat zwischen zwei Extremen, die die Zuschauer nicht erwarten. Dabei enthält die eine Nummer viel Witz, die andere ist ernsthafter, so dass wir in zwei Rollen schlüpfen müssen. Das ist einerseits schwierig, weil es ein gewisses schauspielerisches Talent erfordert, aber auch unglaublich bereichernd. Wer Breakdance von früher kennt, kann sich das wahrscheinlich nicht vorstellen. Aber genau deshalb passen wir so gut zu IMAGINE.

Vielleicht ist es auch so unvorstellbar, weil wir hier von einer Turnshow sprechen. Was genau hat Breakdance mit Turnen zu tun?
Beim Breakdance bedienen wir uns vieler Moves, die aus dem Turnen kommen. Sie bekommen zwar einen anderen Namen – so wird zum Beispiel die Thomasflanke zum Airflair – und beinhalten nicht die turnerische Perfektion, aber es sind eindeutig Turnelemente. Wir kommen alle – bis auf einen – nicht vom Turnen. Es ist auch keine Voraussetzung, kann aber für einzelne Moves ganz hilfreich sein.

Wie lautet Eure Botschaft?
Wir wollen das Publikum einfach unterhalten und den Spaß am Tanzen vermitteln. Außerdem wollen wir zeigen, dass Breakdance inzwischen als Kunst anerkannt ist. Breakdance ist einfach unsere Überzeugung, und die wollen wir transportieren. Wie uns das vor zum Teil 10.000 Zuschauern gelingt, darauf sind wir sehr gespannt!
Das Gespräch führte Heike Werner

Dancefloor destruction crew – Bühnen in Gefahr?
Die DDC wurde 1999 in Schweinfurt (Bayern) gegründet. Ihren Namen gab die Gruppe sich, nachdem den Tänzern nachgesagt wurde, im Jugendhaus, in dem sie sich in den Anfängen trafen, den Fußboden kaputt getanzt zu haben. Heute zählen DDC zu einer der bekanntesten Breakdancegruppen im deutschsprachigen Raum. Angefangen mit kleinen Auftritten und der Teilnahme an Battles entwickelte sich die Gruppe stetig weiter, bis hin zum Deutscher Meister, Europameister und zweifachen Weltmeister im Breakdance.

2013 gewannen sie den Titel „Europas beste Tanzshow“ und gründeten ihre eigene Firma „DDC Entertainment UG und Co. KG“. Mit „Breakin´ Mozart“ kombiniert die DDC gemeinsam mit Echo-Preisträger Christoph Hagel klassische Musik, Operngesang und Breakdance, spielte in den Jahren 2014 und 2015 mit großem Erfolg fast 200 Shows im Berliner Wintergarten Varieté und tourt durch verschieden Städte im deutschsprachigen Raum.

In ihren neuen Inszenierungen geht es um das Zusammenführen scheinbarer Gegensätze hin zu unterhaltsamen, anspruchsvollen aber auch humorvollen Shows. Beispielsweise bei „Breakdance in Lederhosen“: Tracht trifft Turnschuh, Tradition trifft Moderne, alpenländische Musik auf fetzige Beats. Mit dieser Kombination eröffnet die DDC die Bayerische Woche auf der EXPO 2015 in Mailand/Italien. Aber auch die anderen Shows der zehn deutschen Tänzer sorgen im Ausland für Furore. So vertrat die DDC die Bundesrepublik Deutschland beim Internationalen Circus Festival in Wuqiao/China 2015 und präsentierte ihre vollkommen neu überarbeite Show „Swinging Breakdance“.

Seit 2002 unterrichten die Tänzer der DDC in regelmäßigen Kursen und Workshops rund 200 Kinder und Jugendliche und fördern dadurch aktiv ihre eigenen Nachwuchstänzer. Sie engagieren sich darüber hinaus auch für soziale Projekte und bieten u.a. Workshops für Migranten an.