Eine besondere sportliche Geschichte schreibt derzeit die Turnerin Viktorija Sliusarenko vom Kieler Turnverein. Die junge Sportlerin mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) ist eine der ersten Turnerinnen aus Schleswig-Holstein, die an Wettbewerben der Special Olympics Deutschland im Gerätturnen teilnimmt.
Viktorija kam im Dezember 2024 aus der Ukraine nach Deutschland und fand Ende Mai 2025 den Weg zum Kieler Turnverein. In ihrer Heimat hatte sie bereits erste Erfahrungen im Zirkus gesammelt und suchte auch in Kiel nach einer sportlichen Betätigung. Da sie zunächst noch kein Deutsch sprach, half eine glückliche Fügung: Trainerin Elena Schachmeier spricht Russisch, was viele Ukrainer gut verstehen können. So konnte Viktorija schnell Anschluss finden und begann, beim Training der Turnerinnen und Sportakrobaten mitzumachen. Besonders die anderen Kinder nahmen sie herzlich auf und unterstützten sie von Anfang an.
Inspiriert durch die starke Präsenz von Sportlerinnen und Sportlern mit geistiger Behinderung beim Turnfest in Leipzig entschied sich der Kieler Turnverein, Viktorija auch bei Wettkämpfen im Gerätturnen zu unterstützen. Im Oktober nahm sie deshalb an einer Fortbildung in Stuttgart teil, bei der sie mehr über die Wettbewerbe und Anforderungen der Special Olympics erfuhr. Der Fortbildung wurde von Special Olympics Deutschland organisiert. Dort wurde auch deutlich, dass sie bei einem Wettkampf in Markkleeberg bei Leipzig die Chance auf eine Qualifikation für die Nationalen Spiele im Saarland im Juni 2026 haben könnte.
Am 8. November 2025 war es dann soweit: Gemeinsam mit ihrer Trainerin und ihren Eltern reiste Viktorija zu ihrem ersten Turnwettkampf nach Markkleeberg. Die Aufregung war groß – nicht nur wegen des Wettkampfs, sondern auch wegen der langen Autofahrt quer durch Deutschland. Der Wettbewerb wurde im Rahmen eines Deutschland-Cups ausgetragen. Für die Turnerinnen und Turner mit Behinderungen gab es eine eigene Riege, die vom Publikum mit viel Applaus und großer Herzlichkeit empfangen wurde.
Viktorija startete direkt im Level 2. Beim Special-Olympics-Turnen beginnen die Athletinnen und Athleten zunächst in den Vorstufen Level A, B und C, bevor sie zu den Pflichtübungen der Level 1 und 2 übergehen. In den höheren Leveln 3 und 4 werden bereits Kürübungen mit vorgeschriebenen Elementen geturnt.
Der Wettkampf verlief für Viktorija äußerst erfolgreich: Am Ende durfte sie sich über den zweiten Platz freuen und stand bei ihrer ersten Teilnahme gleich auf dem Siegerpodest. Die gesammelten Erfahrungen halfen ihr, im Training gezielt weiterzuarbeiten und ihre Übungen zu verbessern.
Einige Wochen später folgte die nächste erfreuliche Nachricht: Viktorija wurde zu den Nationalen Spielen im Saarland im Juni 2026 zugelassen.
Um weiterhin Wettkampferfahrung zu sammeln, startete sie am 14. März 2026 bei einem weiteren Wettbewerb in Buchholz in der Nordheide. Dort fand im Rahmen der Kreismeisterschaften ein deutschlandoffener Wettbewerb für Special-Olympics-Turnerinnen und -Turner statt. Besonders stolz war Viktorija darauf, erstmals auf dem großen Schwebebalken zu turnen, der im Level 2 als Bonusgerät gilt. Auch andere Teile ihrer Übungen konnte sie deutlich verbessert präsentieren.
Am Ende fehlten ihr nur 0,1 Punkte zum Sieg – erneut belegte sie den zweiten Platz. Für den Kieler Turnverein ist das ein großer Erfolg.
Der Verein ist stolz auf Viktorija und ihre Entwicklung – und freut sich bereits auf ihren Start bei den Nationalen Spielen im Juni dieses Jahr.
Bericht und Bilder: Elena Schachmeier








